Dienstag, 22. März 2011

Paul Auer, Doris Fleischmann & Sascha Wittmann - Ein schräger Leseabend im BRUT













Die drei AutorInnen bringen ihre bösesten, skurrilsten und witzigsten Geschichten ans künstliche Dämmerlicht. Freuen Sie sich auf ein unterhaltsames Programm, garniert mit musikalischen Rufzeichen.

Wann: Dienstag, 26. April 2011
Beginn: 19:30 h
Wo: Lokal BRUT, 1070 Wien, Schottenfeldgasse 95
http://brut.bplaced.net/
Kulturbeitrag: € 5,-

Montag, 7. März 2011

Thomas Glavinic: "Lisa"

Es gibt bekanntlich verschiedene Arten von Büchern. Es gibt gute und schlechte, spannende und langweilige. Und es gibt interessante Mischformen. Auch schlechte Bücher können beispielsweise spannend geschrieben sein, ohne dass es sich dabei unbedingt um „gute“ Literatur handelt. Thomas Glavinic wird gewissermaßen als Meister dieses Fachs verehrt. Seiner zweifellos gediegenen Unterhaltungsliteratur kann man durchaus zugestehen, an ihren künstlerischen Nutzen zu glauben und so etwas wie gesellschaftskritische Relevanz zu versprühen. Ähnlich wie Mc Donald´s produziert er zwar nicht unbedint etwas besonderes, was er auch weiß; aber gleichzeitig ist er überzeugt davon, das einzig Besondere unserer Zeit zu produzieren, nicht nur weil er die Vergangenheit, sondern auch und vor allem die Gegenwart sehr gut kennt. Er weiß, was gute Literatur ist, doch er weiß auch, was er seinen Zeitgenossen zumuten darf. Etwas, das selbst den anspruchsvollsten unter ihnen gelegentlich schmeckt, weil es eine vergängliche Qualität hat.
Nun aber ist „Lisa“ erschienen, Thomas Glavinics neuer Wurf, und der Autor hat damit, man muss es so sagen, einen bedenklichen Tiefpunkt erreicht. Um noch einmal den Vergleich zu bemühen, dieses Buch ist billiges Fastfood, will das aber nicht mehr kaschieren oder irgendwie aufwerten. Es beansprucht nichts anderes, als Ware auf großen Tischen in großen Buchhandlungen zu sein, vorm Zahlen noch schnell in die Tasche gesteckt, wie verbilligte Orangen.
Das Setting ist typisch Glavinic, was an sich nichts schlechtes bedeutete. Wieder geht es um einen noch relativ jungen Mann, der in eine kafkaeske (das soll bitte kein Vergleich sein!) Situation geraten ist. Diesmal hat sich der Ich-Erzähler gemeinsam mit seinem Sohn in ein verlassenes Haus in die Berge geflüchtet. Mittels Webradio hält er Kontakt zur Außenwelt und erzählt in seinen Sendungen nach und nach, was ihn hierher getrieben hat. Es ist die Angst vor einer Massenmörderin, die seit Jahrzehnten ihr Unwesen treibt, ihre Opfer auf grausamste Weise tötet und von der die Polizei nur die DNA kennt. Weshalb der Erzähler auch weiß, dass diese Person, die er „Lisa“ nennt, in seine Wohnung eingebrochen hat. Daher die Flucht, daher sein Verstecken.
So weit, so (mäßig) interessant. Jedenfalls eine Herausforderung. Da die Handlung alleine aus den Radiosendungen des Erzählers besteht, muss der auch wirklich und unmittelbar etwas zu erzählen, eine interessante Geschichte haben, muss in irgendeiner Weise relevant sein. Davon aber ist der Erzähler von „Lisa“, eine Karikatur des bisherigen Glavinic-Personals, weit entfernt. Wenn er auf 204 mühsamen Seiten in das World Wide Web hinaus schimpft (und nebenbei die Geschichte von „Lisa“ erzählt, gelegentlich nach seinem schlafenden Sohn, zu dem sich ansonsten keine nachfühlbare Beziehung andeutet, schaut, in erster Linie aber kokst und säuft), macht er seinem Ärger über all das Luft, worüber man sich einigen kann, wenn man sich gerade den Kopf angeschlagen hat. All das, was irgendwie nervig ist, zumindest für den Mittelstand, eben für jenes Publikum, das sich dieses Buch von den großen Tischen in großen Buchhandlungen in die Tasche stecken wird: Hunde, wenn es nicht die eigenen sind, Kinder, wenn es nicht die eigenen sind, Länder, wenn es nicht das eigene ist, Wertvorstellungen, wenn es nicht die eigenen sind. Wenn Thomas Glavinic durch den Erzähler über „Standard“-Poster, Esoterikerinnen, Landmenschen, Emanzen, FPÖ-Wähler, Islamisten und vieles mehr herzieht, dabei recht frauenfeindlich ist und seine eigene Männlichkeit nur allzu oft betont, dennoch immer unsicher ist, ob er nicht wie ein „Nazi“ klinge, dann entsteht keine Parodie auf den selbstgerechten, heuchlerischen, snobistischen Durchschnittsbürger, der seine feine Existenz durch eine undurchschaubare Macht bedroht sieht; sondern eine hanebüchene Geschichte (am Ende stellt sich heraus, huhu, dass die DNA von „Lisa“ darauf verweist, dass diese schon – jetzt kommt´s – zweihunderttausend Jahre alt ist, so steht es auf Seite 203!), die durch viel, zum Teil ärgerlichen Lärm aufgefüllt wird.
Es gibt nur zwei mögliche Gründe für dieses Buch: entweder braucht Thomas Glavinic Geld, wofür spricht, dass er seinen Erzähler ohne einsichtigen Grund zum deutsch-österreichischen Doppelstaatsbürger macht und nicht nur über die FPÖ, sondern auch auf die CSU schimpft (ein Schelm, wer denkt, er biedere sich an). Oder es handelt sich hierbei um den ersten Band seiner Tagebücher, dann wäre „Lisa“ vielleicht spannender zu lesen, würde aber nicht unbedingt auf einen sympathischen Zeitgenossen schließen lassen. Und nachdem man von Thomas Glavinic weiß, dass er sich für eine Schule frei von religiösen Symbolen einsetzt und auch der Erzähler von „Lisa“ diesen Standpunkt vertritt (vielleicht ließe sich das als „Werbekosten“ von der Steuer absetzen?), haben die beiden ja womöglich ohnedies einiges miteinander zu tun.
Aber das ist nicht relevant. Relevant ist die Geschichte, und die ist es eben nicht. Im Schimpfen bleibt Thomas Bernhard unerreicht. Wenn man will, soll man Thomas Glavinic ruhig lesen, der Autor hat es verdient. Aber bitte nicht dieses ambitionslose Buch.

Thomas Glavinic
"Lisa"
Roman
204 Seiten
Hanser

Donnerstag, 24. Februar 2011

Neuer Lehrgang Literarisches Schreiben

In Kürze startet an der Werkstätte Kunstberufe wieder Literarisches Schreiben, Literaturkritik, Poetik, mit Seminaren zur Lautpoesie, zum Schreiben von Jugend- und Kinderliteratur, Ästhetik, Sprachphilosophie, Literarisches Übersetzen, Theaterdramaturgie, Bühnenbild, Regie, Drehbuch, Dramatisches Schreiben, Lyrisches Schreiben, Pantomime, Journalistisches Sprechen ...

Bei Interesse werft einen Blick auf

http://werkstaettekunstberufe.vhs.at

Es lohnt sich! Nicht nur für angehende AutorInnen, sondern auch für all jene, die in den Fachbereichen Theater, Film, Journalismus, Philosophie der Kunst Zuhause sind ...

LESUNG schreibSPUREN 2011: Verortungen - Teil 2

TeilnehmerInnen des Lehrgangs Drehbuchschreiben sowie des Lehrgangs Literarisches Schreiben stellen am 1. März 2011 Ihre Arbeiten unterstützt von den AbsolventInnen des Lehrgangs Schauspiel vor.

Ein kreativer und amüsanter Abend mit Ljuba Arnautovic, Renate Geier, Anne Jan, Georg Rejam, Katja Schröckenstein, Willi Benkovics, Ines Bosjnak, Astrid Ernst, Gertrude Krainz und Erika Katharina Wojcik.

Beginn ist um 19 Uhr, Eintritt frei
Werkstätte Kunstberufe - Liebhartstaler Bockkeller
1160 Wien, Gallitzinstraße 1, 1. Stock/Spiegelsaal

Mittwoch, 26. Januar 2011

LESUNG schreibSPUREN 2011: Verortungen

Junge AutorInnen des Lehrgangs Literarisches Schreiben der Werkstätte Kunstberufe zeigen uns, wo sie stehen und stellen sich am 22. Februar 2011 mit Prosa, Kurzprosa und Lyrik vor.

Es lesen Michael Altmutter, Silvia Hlavin, Doris Fleischmann, Maximilian Pock, Ina Rager, Katja Schröckenstein, Friedrich Schuler und Sascha Wittmann. Moderation: A. J. Rosmondi

Beginn ist um 19 Uhr, Eintritt frei
Werkstätte Kunstberufe - Liebhartstaler Bockkeller
1160 Wien, Gallitzinstraße 1, 1. Stock/Spiegelsaal

Dienstag, 25. Januar 2011

Paul Auer

„Das Leiden haben wir doch schon überwunden,“ mahnt meine Füllfeder. „Wir frönten den Genüssen, bis wir sie alle in ihrer Wirkung erforscht haben, wir exerzierten die Liebe, bis sie uns zu Höhepunkten und Enttäuschungen geführt hat, und auch der Musik konnten wir einige Statements abringen, bis sie im Dilemma der Seichtheit versunken ist. Wir sind hier, frei und geschunden, vor allen offenen Toren – vor Menschen, die unsere Freunde sein könnten, vor Existenzen, die unsere Erfüllung sein könnten, vor Landschaften, die unser Zuhause sein könnten, vor Worten, die unsere Geschichten sein könnten. Du zitterst und sehnst dich nach dem einen, wahren, ursprünglichen Wesen, und vielleicht hast du es nie gekannt, doch die Hoffnung, dass wir es eines Tages gemeinsam entdecken werden, treibt uns weiter und lässt uns glauben. So gesehen müssen wir unsere Stärke bewundern!“

(aus: "Gespräch mit meiner Füllfeder", ausgezeichnet mit dem Anerkennungspreis des Österreichischen Schriftstellerverbandes 2010)

Montag, 24. Januar 2011

Die Praxis des Schreibens. Eine Veranstaltung des Instituts für Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien im Literaturhaus Wien

20.01., abends bis 22.01.2011, abends: Eine geballte Ladung Literatur. Leider konnte ich nicht die ganze Zeit dabei sein. Die Gesprächsrunden, die ich verfolgt habe, waren alle hochkarätig besetzt und großteils sehr informativ.
21.01.:
Unter dem Titel "Handwerk des Schreibens" diskutierten Olga Flor, Josef Haslinger und Katrin Zimmermann unter der Leitung Doron Rabinovicis darüber, wie eine Schreibausbildung in das Benotungssystem einer Universität eingepaßt werden kann.
Am Abend hielt Ferdinand Schmatz eine sehr dichte und sprachlich wunderschöne Poetik-Vorlesung. Es wäre in diesem Fall hilfreich gewesen, den Text auch in gedruckter Form vorliegen zu haben.
22.01.:
Die Diskussion "Kreative Prozesse" war höchst aufschlußreich. Tasos Zembylas hat nämlich eine Studie über die Entstehung von Texten erstellt. Thomas Klupp und Verena Roßbacher haben an dieser Studie teilgenommen. Sie mußten die Produktion eines Tages - auch Überarbeitungen vorhergegangener Tage - mit einer Reflexion über die Arbeit jeweils an Herrn Zembylas schicken. Ihre Erfahrungen damit waren sehr interessant.
"Literatur und Erfahrung" war eine kleine Enttäuschung - vor allem, weil ich dachte, es ginge darum, wie Erfahrungen in Texte einfließen. Die Runde (Marie Caffari, Elfriede Czurda, Kerstin Preiwuß und Sabine Scholl) diskutierte aber hauptsächlich darüber, wie man Erfahrung als Lehrende/r weitergeben kann.
"Experiment und Welt" war dafür wieder sehr dicht und auf hohem Niveau amüsant (Samuel Moser, Monika Rinck, Ulf Stolterfoht, Franz Schuh, Ferdinand Schmatz). Definition von Solypsismus á la Schuh: "Ich werde meinem Vermieter sagen, dass er sich nur einbildet, von mir Miete zu bekommen."
Dagmar Leupolds Poetik-Vorlesung war insofern erfrischend, als sie ihre Theorie in sehr persönliche Geschichten packte.
Ein ganzer Tag Reden und Zuhören über Literatur: Sehr anstrengend! Macht Lust darauf, im stillen Kämmerchen selbst zu schreiben. Verunsichert aber auch: Die sind alle so gescheit, kann ich da überhaupt ansatzweise mithalten?