Die Gruppe TEXTMOTOR wünscht einen schönen literarischen Sommer!
Unsere nächste Lesung "Wi(e)derstehen" findet am Mittwoch, 14. September 2016, um 18:30 h im Café Jelinek (1060 Wien, Otto-Bauer-Gasse 5) statt.
Wir freuen uns auf ein Wiedersehen! Eure Textmotoren
Donnerstag, 7. Juli 2016
Sonntag, 3. Juli 2016
So könnte es gewesen sein
„Liebe Kollegin“,
sagt der Präsident, „Sie sind seit Jahren meine Vizepräsidentin. Stimmen Sie
mir zu, dass Sie in diesem Amt auch eine Vorbildwirkung ausüben?“
„Ohne Zweifel, was
veranlasst Sie zu dieser Frage? Wenn Sie mich auf mein Zeitungsinterview ansprechen,
ich habe mit keinem Wort etwas zu unserem Prozedere bekanntgegeben. Und es tut
mir leid, dass Sie mir Ihrer Meinung zur Wahlaufhebung unterlegen sind.“
„Nein, Frau
Kollegin, das ist es nicht. Ich meinte, ob wir als Repräsentanten der Republik
nicht auch im Umgang mit unserem Körper vorbildlich sein sollten.“
„Oh, Herr Präsident,
ich verstehe. Sie meinen das einzige, was zwischen dem violetten Samtkragen mit
weißem Kaninpelz und dem Barett hervorschaut. Ich habe es ein wenig anpassen
lassen. Hätte ich Sie dafür vorher fragen sollen?“
Der Präsident reibt
seine Hände, dann zieht er am Ohrläppchen, auch die Nase kommt dran. Diese
Andeutung hätte er sich sparen können.
Er blickt zur Tür,
die anderen Kollegen betreten nacheinander den Saal. Er hat mit ihnen eine
Feedbackrunde zum Urteil der Wahlaufhebung vereinbart.
„Wir werden auch in
Zukunft heikle Entscheidungen zu treffen haben und wir sollten unsere
Beweggründe hinter den juristischen Überlegungen kennenlernen“, eröffnet der
Präsident. „Selbstverständlich hat auch dieser Austausch geheim zu bleiben. Also
bitte, wer beginnt?“
„Ich gebe zu“, sagt einer, „ich hätte es
schlecht ausgehalten, für die Bestellung eines Bundespräsidenten verantwortlich
zu sein, der so ganz gar nicht meinem Weltbild entspricht und schließlich habe
ich mich erinnert, von welcher Regierung ich 2002 bestellt worden bin.“
„Für mich ist klar
gewesen“, sagte eine jüngere Kollegin, „die Verfehlungen sollten Anlass für
unseren klaren Auftrag an die Regierung sein, in Zukunft für rechtlich
einwandfreie Abwicklungen bei Wahlen zu sorgen. Für eine Wahlwiederholung gibt
es keinen logischen Grund.“
Nacheinander melden
sich noch zehn Damen und Herren zu Wort. Die Argumente, warum die juristische
Beurteilung zur Wahlwiederholung führen sollten und warum nicht, halten sich
die Waage.
„Dann muss ich wohl“,
sagt die Vizepräsidentin, „auch ich weiß, warum ich Vizepräsidentin bin. Und haben
wir als oberstes juristisches Gremium nicht im besten Sinne des Wortes konservierend,
also konservativ zu sein? Zur Untermauerung habe ich mit dem Verantwortlichen
aus dem großen, konservativen Klub ein Gespräch geführt. Wir dürfen nicht an
der gesetzgebenden Körperschaft vorbeientscheiden. Meine Meinung wird von
diesem Herrn geteilt und unterstützt. Wir können uns in Österreich keinen Präsidenten
leisten, dessen Familie selbst eine Flüchtlingsgeschichte hat und der für die Hälfte
der Bevölkerung unakzeptabel wäre. Wir müssen auch an künftige Wahlen und an
mögliche neue Koalitionen denken. Ich kann nicht anders, als für einen zweiten
Versuch in der Stichwahl zum Bundespräsiden zu sein.“
Der Präsident
schließt die Zusammenkunft: „Ich danke Ihnen für die Offenheit. Sie kennen
meine Meinung, aber ich habe in diesem Verfahren kein Stimmrecht. Sie hätte den
Gleichstand nur prolongiert. Ob ich diesem Gremium noch weiter angehören will,
werde ich in den nächsten Wochen entscheiden.“
Sonntag, 5. Juni 2016
Stadtgeschichten
In Japan wird ein kleiner Bub von seinen Eltern im Wald ausgesetzt, was natürlich absoluter Wahnsinn ist.
In Wien wird ein elternloser Vierzehnjähriger mit ersten Anzeichen einer schweren psychischen Erkrankung allein auf die Straße geschickt ...
In Wien wird ein elternloser Vierzehnjähriger mit ersten Anzeichen einer schweren psychischen Erkrankung allein auf die Straße geschickt ...
Freitag, 27. Mai 2016
Stadtgeschichten
Eine alte Frau stolpert, kann nicht aufstehen. Eine junge Frau hilft ihr auf. Die alte Frau ist offensichtlich verwirrt, sagt nicht, wohin sie will, wo sie wohnt, kann kaum gehen, ohne gestützt zu werden. Die junge Frau ruft die Rettung. Die alte Frau weigert sich mitzufahren. Wo endet die Selbstbestimmung? Wo beginnt die Fürsorgepflicht der Gesellschaft?
Dienstag, 17. Mai 2016
warum er so wichtig ist
warum er so wichtig ist
mauthausen
besucht, die „hasenjagd“ gesehen
viele
können es nicht mehr hören
viele
wollten es nicht sehen, damals
viele
sehen sie wieder nicht,
die
erstickten
die
beinahe abgefackelten
die
ersoffenen
die
niedergeknüppelten
die
schon daheim erschossenen
von
bomben zerrissenen
vergifteten
geköpften
er
wird mahner bleiben, wird uns beim sehen unterstützen,
auch
deswegen bin ich für ihn
Montag, 16. Mai 2016
Hans
Die Arbeitsgemeinschaft Autorinnen stellt ihre neue Literaturzeitschrift "Entladungen" vor.
Wann: 23.05.2016, 19:00 Uhr
Wo: Dachsaal der Wiener Urania
Wer wohl Hans ist?
Stadtgeschichten
U-Bahnstation Josefstädterstraße: Auffällig viele junge, dunkelhäutige Männer stehen in der Gegend. Sie warten auf Bestellungen von Passantinnen und Passanten, um diese dann weiterzugeben. Wo schlafen diese Burschen eigentlich? Was werden sie machen, wenn sie einmal nicht mehr jung sind?
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