Dienstag, 15. September 2015

Wilhelmshaven



Wilhelmshaven

Haven der Nordsee muss es werden
Marine soll es sein
Reformen erhitzen sein Gemüt
Brücken wären nötig
Eine aus Stahl trägt seinen Namen
Wilhelm, letzter Kaiser

Spielzeug, Machtgebärden, Menschenblut
Verankert im Haven
Die Angst vor Fremdem wird verstanden
Gestern, heute, morgen
Sie zeigen wieder die Gesichter
Heben ihre Hände

Leben, Flüchtlinge, Wilhelmshaven
Es sind noch Plätze frei
Von Menschen, die die Hände reichen
Willkommen hier bei uns
Erinnert an das Leid von damals
Totgeschossne Freunde

Sonntag, 13. September 2015

Kapitalistenschweine an Bord



Kapitalistenschweine an Bord

Wie würde Thomas Mann die heutige Politik in Europa einschätzen und würde er im 21. Jahrhundert als Literat Anerkennung bekommen, oder den Nobelpreis?
Seit dem Besuch auf der Ostseeinsel Hiddensee begleitet er mich auf meiner Norddeutschlandreise. Auch seine Familie. Er hätte sich sein bürgerliches Leben ohne die väterliche Rente aus Zinsen des angehäuften Besitzes gar nicht leisten können. Hat ihn sein Vater mit seinem Vermächtnis doch noch zu einem anerkannten Mitglied des Bürgertums gemacht, obwohl, oder weil er in seinen wilden Jahren sozialistische Tendenzen zeigte?
Es ist gut möglich. Das Buddenbrock Haus in Lübeck ließ früher Gelesenes, Verschwommenes, oder nur mehr Geahntes neu auferstehen. Die lebenslustige Mutter, der verachtet und geliebte Bruder Heinrich, die stille Ablehnung des Vaters und des Bürgertums, die Thomas Mann mit seinem Hauptwerk, „Die Boddenbrocks“ verarbeitet hatte. Sein Leben war dann doch bürgerlich. Seine gesellschaftskritische Einstellung hatte er 1914 mit der Kriegsbefürwortung (wie viele andere Intellektuelle) auf Eis gelegt.
Wurden ihm die ambisexuellen Neigungen verziehen, weil man darüber nicht ernsthaft sprechen wollte, weil er damit nicht aus den Normen ausgebrochen war (Ehe und Kinder), oder weil er berühmt geworden war?
Thomas Manns Zeit in München war wilder und freier als jene in Lübeck. Es war der Aufbruch und der Versuch Neues mit der Räterepublik umzusetzen. Sein Bruder Heinrich hatte nicht nur den Ersten Weltkrieg abgelehnt, er war auch bekennender Linker. Erich Mühsam und der Versuch als Bohemien in München zu leben prägten Thomas nur wenig. Mit den Geldern aus dem Familienbesitz und dem „Zubrot“ des Nobelpreises1929, wurde ihm das bürgerliche Leben wieder wichtiger. Er wurde Instanz für andere Schriftsteller, für das kulturelle Leben in Deutschland – bis die Nazis an die Macht kamen. Sie hatten Erich Mühsam bereits 1934 im KZ Oranienburg ermordet, und die Familie Mann in viele Teile der Welt vertrieben.
Heute sind sie wieder alle vereint, im Buddenbrock Haus in Lübeck, im Ratskeller zu Lübeck und geistig auch in den vielen Kulturaktivitäten Lübecks. Am 12. September 2015 fand die „Theaternacht in Lübeck“ statt. Im Theatersaal eines Schiffes an der Trave endete der Abend für mich mit der Ehrung der „Kapitalistenschweine“, die besondere Form einer Publikumsbeteiligung, in der lokale Kunstdarbietungen über das Füllen von Sparschweinen gekürt werden.

Montag, 31. August 2015



es beobachtet mich

In Bautzen das Stasi Gefängnis besucht
Sie haben die Schreie nicht gehört
Damals
Aber jetzt im Wald
Ein großer kahlköpfiger Deutscher
Mit deutsch deutschem Unterarm in Runen
Ehre und Stärke eingraviert
Seine zwei Mädchen spielen
Seine Frau:
Jetzt kommen sie wieder raus aus ihren Löchern
Die 71 Toten
Erstickten
Die beinahe Abgefackelten
Die Ersoffenen
Die Niedergeknüppelten
Vergewaltigten
Gesteinigten
Sich für irgendeinen Gott Hingebenden
Die schon daheim Erschossenen
Von Bomben Zerrissenen
Vergifteten
Geköpften

Dienstag, 25. August 2015



3 mal 7747, oder mehr

Deutschland einst und Tschechien
Angekommen in der Schweiz
Der sächsischen
Vorurteile oder nicht


Einsam über der Elbe
Holzhaus mit Deutschland lebe
Mir wird’s ganz bang
Weitsicht wünsch ich mir von Euch

Deutsches Haus und deutsches Land
Schütz‘ Euch Gott mit starker Hand
Ich glaub es nicht
Friede Hoffnung ohne Licht

Dienstag, 18. August 2015

Am 9. September 2015, um 18:30
lesen die Mitglieder der Literaturgruppe
"Textmotor"
Wir dürfen nicht schweigen
im Café Jelinek,
Otto Bauergasse 5, 1060 Wien

Samstag, 15. August 2015

Meine Sommerentdeckung: "Die Bücherdiebin" von Markus Zusak

Markus Zusak wurde 1975 in Sydney geboren. Als 30-Jähriger veröffentlichte er mit "Die Bücherdiebin" einen internationalen Überraschungserfolg. Hat sich irgendwie nicht bis zu mir durchgesprochen/geschrieben/gelesen.
Jedenfalls ein sehr spannendes und auch von der Schreibmethode und den Perspektiven her ein äußerst interessantes Buch, in dem ein Mädchen in den Wirren des zweiten Weltkrieges ihren Literaturhungen mit Bücherdienstählen stillt. Mit sehr einfühlsamen Personenbeschreibungen, in denen die Schrecken des Krieges nebenbei passieren, dadurch allerdings noch nachhaltiger wirken.
Warum es als Jugendbuch gilt habe ich nicht verstanden, jedenfalls sehr empfehlenswert. Vielleicht finde ich demnächst auch irgendwo den Film dazu.

Mittwoch, 5. August 2015

7 Haikus zu 70 Jahre Hiroshima



Trumans Entscheidung
Bombe eins war nicht genug
Ich bin der Gute

Little Boy und Fat Man
Menschen, Stahl, Beton sind platt
Mörder ungesühnt

Verbrannte Körper
Kinderaugen groß, doch leer
Getarnte Rache

Der Pilz von oben
Massenmord als Strategie
Bibel in der Hand

Heer und Militär
Nicht das Ende sollt es sein
Technik und Allmacht

Macht gezeigt mit Tod
Verzeihung fehlt bis heute
Kriege sind geplant

Syrer, Iraki
Afghanistan, Afrika
Unser Boot ist voll